(Un-)Wetter-Fachbegriffe

Biberschwanz:
Tritt v.a. bei Superzellen auf; ist eine abgeplattete, eben Biberschwanz- ähnliche Wolke, die oftmals als Verlängerung der Wallcloud zum Haupteinstrombereich der Warmluft fungiert (also nicht zum Niederschlagsbereich wie bei der Tail Cloud !); Biberschwanzwolken sind ein relativ sicheres Zeichen für heftige Superzellen.

Bogenförmiges Gewitter:
Gewitter, das durch kräftige Downbursts zu einem Bogen geblasen wird. Sowohl an der Spitze des Bogens, als auch im Nordteil, wo durch die schnelle Verlagerung eine zyklische Rotation erzeugt wird, können Tornados entstehen. Zudem erzeugt diese Art von Gewittern - wie oben erwähnt - zerstörerische Downbursts mit bis zu 160km/h.

Downbursts:
Gliedern sich in " Makrobursts " (Wirkungsbreite >4km) und " Mikrobursts " (Wirkungsbreite <4km). Stellen zerstörerische Winde dar, die von einer Superzelle, einem bogenförmigen Gewitter, Squallines oder auch einfachen Gewittern ausgehen können. Bezeichnen im Prinzip das Abwindfeld eines Gewitters.
Sie können sowohl "trocken" sein (d.h. ohne damit verbundenem Niederschlag), oder "feucht" (oft in Verbindung mit Starkregen oder Hagel).

Dustdevils:
In Deutsch "Staubteufel" (auch "Sandhose" oder nicht ganz korrekterweise einfach als "Windhose" bezeichnet).
Entstehen an heißen Sommertagen, wenn eine überhitzte Warmluftblase vom Boden aufsteigt und dabei zu rotieren beginnt. Es bildet sich ein schmaler Wirbel (oft durch den transportierten Staub oder Sand erkennbar), der meist nur wenige Meter breit und hoch ist und sich rasch wieder auflöst. Besonders große und langlebige Dustdevils bezeichnet man als Sandtromben.

Fujita & Torro Skala:
Sind zwei verschiedene Skalen zur Bezeichnung der Windgeschwindigkeiten und angerichteten Schäden bei Tornados. Die Torro-Skala löst im Prinzip doppelt so fein auf wie die Fujita Skala, hat also 12 Schritte, während es bei der Fujita nur 6 +1 sind (der Grad F6 wird nicht immer gerechnet). Hier will ich nur die Fujita Skala anzeigen (mit den gerundeten Werten) - für die Torro muss man grob gesagt immer einen Fujita Grad durch zwei teilen.
F-0 => 60-120km/h Leichte Schäden wie abgebrochene Äste und herausgerissene Ziegeln
F-1 => 120-180km/h Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt, Hütten zerstört; Objekte bis 100kg angehoben
F-2 => 180-250km/h Absolute Schneise in Wäldern, Dächer mit Sparren abgetragen, Autos angehoben
F-3 => 250-330km/h Wände z.T. zerstört (Ziegelbauten u.ä.), Autos davon geschleudert
F-4 => 330-420km/h Häuser eingeebnet, Stahlbetonbauten schwer beschädigt, Massive Brücken zerstört
F-5 => 420-510km/h Häuser nicht mehr vorhanden, Stahlbetonbauten zerstört, Autos zerrissen
F-6 => ab 510km/h Absolute Zerstörung

Funnelcloud:
Oder auch "tuba". Trichterförmiges, rotierendes Gebilde, das aus einer Wallcloud , Böenwalze oder auch einfach kräftigen Quellwolke herauswächst, sich einige Minuten halten kann und wieder verschwindet.

Gewitter in V-Form:
Wie der Name schon sagt, haben sie die Form eines V, während die extremsten Wetterphänomene an deren Spitze zu finden sind. Bewegen sich kaum, "wandern" manchmal sogar rückwärts und erzeugen dadurch oftmals Überschwemmungen. Dies wird bedingt durch neue Zellen, die von der Böenfront hinter dem Gewitter erzeugt werden und es sich somit rückwärts verlagert; sind oftmals Superzellen.

Gustnado:
Entsteht im Vorfeld bzw. bei Eintreffen einer Böenfront, mächtigen Arcus-Wolke oder bei einem Downburst. Zeigt sich als eine Art "Dustdevil" (Sandhose), der jedoch nicht durch überhitzte Bodenluft, sondern durch eine lokale Verwirbelung am Boden verursacht wird. Kann auch in Schwärmen auftreten.


Achtung ist gegeben bei der Verwechslung mit echten Böenfront-Tornados, die von der Form her oft ähnlich aussehen, jedoch deren vertikaler Wirbel sich bis in den darüber befindlichen Arcus erstreckt (beschränkt sich bei einem Gustnado auf die untersten Meter).

HP-Superzelle:
"high precipitation"- Superzelle; Entsteht häufig aus der "normalen" Superzelle. Oftmals sind Wall Cloud und Tornado durch extremen Niederschlag verhüllt, da sich das Abwindfeld um den Mesozyklon "herumwickelt" und das warme Aufwindfeld abschneidet. Für schwächere Superzellen bedeutet dies rasch den Tod, während kräftigere Stürme ein neues rotierendes Aufwindfeld außerhalb des abgeschlossenen Mesozyklons erzeugen können.

LP-Superzelle:
"low precipitation"- Superzelle. Besitzt keine oder kaum sichtbaren Niederschläge bzw. eine vom Aufwindfeld weit entferntes Abwindfeld. Oft im Anfangsstadium der Superzelle zu finden; Wall Cloud und eventuell vorhandener Tornado sind gut zu erkennen.

MCC & MCS:
Gewaltige Gewitterkomplexe - etwa in Kreisform, mit einer Ausdehnung von bis zu mehreren hundert Kilometern. Sind in Europa allgemein selten. Erzeugen nicht selten großflächige Überflutungen und bewegen sich sehr rasch. Oft sind Superzellen eingelagert.

Mesozyklon(e):
Stellt das rotierende Aufwindfeld einer Superzelle dar (korrekt bezieht es sich auf das entsprechende Radarsignal). Beginnt oft in höheren Luftschichten (um 3000 Meter Höhe), bevor sich die Bewegung zum Boden hin ausdehnt. Allerdings dürften nicht alle Mesos in der Höhe entstehen, andere Ursachen könnten lokale Verwirbelungen sein. In massiven Mesozyklonen die bis auf die Erdoberfläche wirken, können sie Windgeschwindigkeiten der schräg auf die Wall Cloud oder den Rotationsmittelpunkt zuwehenden Winde 120km/h übersteigen.


Ein abgeschlossener Mesozyklon entsteht, wenn sich das Abwindfeld der Superzelle um den Aufwind herumwickelt und so die Warmluftzufuhr abschneidet. Ist oft in einer HP-Superzelle zu finden, wodurch Wallcloud und eventuell vorhandener Tornado nur schwer oder gar nicht zu lokalisieren sind.

Shelf-Cloud:
Auch Arcus oder Böenwalze. Diese Wolken haben eine Keil- Walzen- oder Bogenform. Sind manchmal unter der niederschlagsfreien Basis zu finden (Verwechslungsgefahr mit Wallcloud !) aber meistens im Vorfeld des Abwärtsstrom des Gewitters. Im Moment des Durchzuges kann es zu Downbursts kommen. Je dichter und tiefer die Zähne liegen, bzw. je zerfranster die Walze, desto größer die Gewalt der Böen.


Allen diesen Wolkenformationen ist gemeinsam, dass sie einen Abwärtsstrom des Gewitters markieren und nicht seinen Aufwärtsstrom, wie bei der Wall Cloud. Zudem weisen sie in der Regel keine Rotation auf. Gelegentlich kann es allerdings zu senkrecht rotierenden Winden kommen, wodurch auch kurzlebige Tornados ausgelöst werden können (sog. Böenfront - oder Arcus-Tornados ), welche man aber nicht mit den "unechten" Tornados, den Gustnados verwechseln sollte!

Squallines:
Linienhaft organisierte Gewitter; oft vor Kaltfronten anzutreffen - können Downbursts und Hagel hervorrufen - vor allem am oberen und unteren Ende der Squalline sind auch Superzellen und damit Tornados möglich.

Superzelle:
Extrem heftiges, zumeist gegen den Uhrzeigersinn rotierendes Gewitter. Besitzt ein sich drehendes Aufwindfeld - die Mesozyklone. Optische Merkmale sind oft eine Wolkenmauer ( Wall Cloud ), eine Versorgungslinie, eine niederschlagsfreie Basis, ein rückwärts ziehender Amboss und gebogene Rillen bzw. Streifen in der Wolken, die die Rotation anzeigen.

Tornados:
Sind die heftigsten Wirbelwinde auf unserem Planeten.
Werden im Mitteleuropa auch als "Großtrombe" bezeichnet, oder fälschlicherweise als "Windhose" (Verwechslungsgefahr mit Sandhosen bzw. "Dustdevils"!).


Tornados entstehen zumeist aus Superzellen, dort vorwiegend aus der Wallcloud. Das erste Anzeichen eines Tornados ist die rasche Rotation der Wolkenunterseite, in weiterer Folge wächst ein Art "Rüssel" aus der Wolke (Funnelcloud), welcher immer länger wird und bei Bodenkontakt (auch wenn es nur Sekunden sind), als Tornado gilt.


Dabei kann die Form des Tornados sehr variieren:


>möglich ist ein einzelner, dünner Tornadoschlauch
>ein Tornado, der mehr breit als hoch zu sein scheint (der sog. "Keil")
>mehrere Tornados die umeinander rotieren (der "Mehrfachwirbeltornado")
>Tornados in einer Linie, bzw. mehrere Tornados aus einem Gewitter, die aber nicht unmittelbar nebeneinander, sondern zuweilen in mehreren Kilometern Abstand toben
>ein Tornado, der nicht vollständig auskondensiert ist (d.h. ist nicht als Rüssel sichtbar, sondern oft nur als Wirbel am Boden bzw. an der Wolkenunterseite), nach letzten Erkenntnissen sehen besonders schwache Tornados häufig so aus, weshalb ein eventueller Bodenkontakt oft nur schwer zu erkennen ist.


Durch den tiefen Druck im Inneren des Tornados (Druckausgleich mit der Luft an der Erdoberfläche) werden Gegenstände hochgehoben und können Gebäude regelrecht "explodieren" (dieses Faktum bewirkt oft zusätzlich zu den enormen Windgeschwindigkeiten Tornado-typische Schäden).


Die Breite des Tornados muss nicht direkt proportional zu der vorhandenen Windgeschwindigkeit bzw. Stärke sein, allerdings sind zumeist die breitesten Tornados (bis zu mehreren Kilometern sind möglich) die zerstörerischten.


Tornados, die nicht aus Superzellen entstehen, kann man in drei Gruppen einteilen:


"Böenfront- oder Arcus - Tornados"; entstehen aus kräftigen Arcus-Wolken oftmals durch eine lokale Verwirbelung bei Eintreffen des Abwindes (häufigste Tornado-Unterart) sog. "landspouts"; das sind Tornados die aus kräftigen Quellwolken oder non-supercells entstehen - sind oft "nur" intensive Funnelclouds, die kurzzeitig Bodenkontakt haben; meistens durch kleinräumige, bodennahe Wirbel entstehend, die zwar mit der darüber befindlichen Wolke in Interaktion treten, allerdings nicht die Kriterien für einen Mesozyklon erfüllen (wenn keine Rotation bis zur Wolken, dann nur Gustnado !) der "cold-air-funnel"; bezeichnet Funnelclouds oder in weiterer Folge Tornados, die aus nicht konvektiven Wolken entstehen (also etwa Nimbostratus = "normale" Dauerregen-wolke) - (extrem selten bzw. Existenz umstritten)


Die Lebensdauer von Tornados beträgt in der Regel nur wenige Minuten, dabei ziehen die Tromben meistens nur einige, wenige Kilometer weit.
Jedoch entstehen zuweilen sehr heftige und langlebige Tornados (ab F3 (Fujita-Skala) aufwärts), die dann bis zu mehreren Stunden und Hunderte Kilometer Bodenkontakt haben können (werden manchmal als "Super-Tornados" bezeichnet).


Wissenswertes über Tornados in den Tornado-Statistiken, sowie auf der TorDACH Site für Österreich von Alois Holzer: www.tornados.at sowie www.tordach.org !

Wall-Cloud:
Ist oft unter der regenfreien Basis einer Superzelle zu finden. Hat die Form eines tiefer als die umgebenden Wolken liegenden Fortsatzes und bezeichnet den Rotationsmittelpunkt der Zelle sowie den kräftigsten Aufwind. Ist von unten gesehen oval bis rund, von der Seite betrachtet annähernd rechteckig mit oft einem spitzen, noch weiter zum Boden reichenden Fortsatz; Der Durchmesser beträgt wenige hundert Meter bis zu einigen Kilometern. Für eine Umdrehung benötigt die Wall Cloud etwa 30sek bis 2 Minuten, wodurch die Rotation nicht leicht zu erkennen ist.

Wasserhose:
Das Gegenstück zum Tornado - über dem Wasser (See oder vor allem dem Meer in flachen Küstenregionen). Zumeist nur ein einzelner Wolkenrüssel, der zudem meistens schwach ist (Windgeschwindigkeiten unter 120km/h), allerdings können auch Wasserhosen bis zur Stärke F3 auftreten. Bilden sich meistens nicht aus Superzellen, sondern aus kräftigen Quellwolken.

Zyklisches Gewitter:
Gewitter, wo Phasen der Aktivität mit Phasen des Abschwächens abwechseln.